Kann man eine PicoPSU an ein ATX-Netzeil anschließen?

Ich tüftle gerade etwas mit alter Hardware herum und habe mich gefragt, ob es irgendwie möglich wäre mehr als ein Mainboard mit einem Netzteil zu betreiben. Da ich noch alte PicoPSUs hier liegen hatte konnte ich nicht widerstehen es auszuprobieren…

Was ist eine PicoPSU?

In anderen Blogs und Foren habe ich immer wieder gelesen, bei der PicoPSU würde sich um ein sehr kleines Netzteil handeln. Das stimmt aber nicht so ganz. Es ist eigentlich nur ein Spannungswandler. Man benötigt zusätzlich ein externes Netzteil, dass dann eine Spannung von 12 Volt an die PicoPSU liefert. Diese wandelt die 12 Volt dann in alle vom Mainboard benötigen Spannen umwandelt. Hier muss man dann drauf achten, dass das externe Netzteil genug Leistung für die PicoPSU hat. Wobei man auch gucken kann was eigentlich an Leistung von CPU und Co. benötigt wird und dann ein Netzteil sucht das mindestens so viel Leistung bietet. Ich habe zum Beispiel testweise meine PicoPSU mit 90 Watt an einem externen Netzteil mit 4 Ampere (also maximal 48 Watt) betrieben.

PicoPSU (20 Pin)

Die PicoPSU ist nicht viel größer als der 20 bzw. 24 Pin Stecker von klassischen ATX-Netzteilen und damit bestens für kleine HTPCs oder andere Mini-PCs geeignet. Oft wird hier der Formfaktor Mini-ITX verwendet. Grundsätzlich funktioniert eine PicoPSU aber auch mit einem ATX Mainboard. Jedoch haben einige PicoPSUs noch den alten Stecker mit 20 Pinnen, hier gäbe es aber auch passende Adapter.

Warum will man eine PicoPSU an einem ATX-Netzteil betreiben?

Ich baue gerade etwas alte PC-Hardware in mein Homelab ein um zum Beispiel ein Proxmox-Cluster und einen Docker-Swarm aufzubauen. Ich möchte aber ungerne mehrere alte Tower auf den 12 HE Schrank stellen also hatte ich überlegt die Boards einfach direkt auf Holz oder Plexiglas zu montieren. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg aber mir kam eben auch die Idee ob man nicht ein Netzteil für mehr als ein Board verwenden könnte. Da ich noch zwei PicoPSUs von alten HTPCs rumfliegen habe wäre es doch zu schön, wenn ich mit einem Netzteil für meine komplette „Farm“ auskommen würde.

Die PicoPSU hat einen 12 Volt Anschluß für einem 4-PIN Stecker. Normalerweise wird hier ein Adapter für den Anschluß des externen Netzteils angeschlossen. Allerdings wird auch auf ATX-Mainboard genau dieser Stecker für den ATX P4 Anschluß verwendet. Dieser hat ebenfalls 12 Volt.  Es gibt also bereits das passende Kabel am ATX-Netzteil, dieser wird ja aber auch vom ATX-Mainboard benötigt. Da auch die Molex Stecker für Festlatten und DVD-Laufwerk mit 12 Volt laufen habe ich kurz nach einem passenden Adapter gesucht und sehr schnell auf Amazon gefunden. Wenn man warten kann bekommt man es aber auch deutlich günstiger auf eBay.

Links: Adapter der PicoPSU für das externe Netzteil – Rechts: Adapter von Molex auf P4

Klappt es?

Als erstes habe ich mir die Frage gestellt ob ein ATX-Netzteil genug Leistung haben kann um ein weiteres Mainboard bzw. die in meinem Fall 90 Watt PicoPSU mit versorgen zu können. Auf dem Netzteil findet man genaue Angaben wie viel Leistung es auf welcher Schiene bereitstellt.

Auf dem Netzteil findet man detaillierte Angaben über die maximale Leistung

Für die 12 Volt Leitungen werden bei mir jeweils 18 Ampere angegeben – also maximal 216 Watt. Ich gehe davon aus, dass alle HDD Kabel an einer der 12 Volt Leitung hängen aber GPU und P4 eine eigene haben. Da ich ausser einer SSD nichts weiter angeschlossen habe reicht das also locker!

Zwei Mainboards, ein Netzteil – wenn man genau hinschaut sieht man, dass beide Rechner eingeschaltet sind

Nachteile der Lösung

Der Vorteil liegt auf der Hand, man braucht nur ein Netzteil wobei auch die PicoPSU Geld kostet und man für den gleichen Preis auch direkt ein günstiges Netzteil bekommt. Ein weiteres Netzteil braucht dann aber halt Platz und macht Krach.

Das größte Problem ist, dass das ATX-Netzteil nur dann Strom liefert (stimmt nicht, es gibt auf einem der Pins auch im Standby 5 Volt an das Mainboard) wenn das Mainboard eingeschaltet ist. Man hat also Quasi ein Master- und ein Slave-Mainboard. Immerhin klappt ein Reset oder Reboot des Masters ohne dass der Slave vom Strom getrennt wird. Dieses Verhalten könnte man nun natürlich auch wieder clever nutzen wenn man eben genau das braucht und der Rechner mit dem zweiten Mainboard eh keinen Sinn ohne den ersten macht. Aber dieser wird dann nicht sauber heruntergefahren sondern bekommt einfach knall hart den Strom abgeklemmt!

Alternativ wäre es noch möglich die Leitung, die für die Information „ich brauche Strom“ zwischen Mainboard und Netzteil genutzt wird, zu trennen und dort selber einen Schalter einzubauen oder das ganze mit einem Arduino (der würde wunderbar über die 5 Volt im Standby laufen!). Hierfür würde man das grüne Kabel kappen und gegen GND (schwarzes Kabel) verbinden.

So geht es natürlich auch – Always On PSU

Fazit

„Kann man machen, muß man aber nicht.“

 

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